Geschichte

In den Annalen des katholischen Kindergartens ist zusammengefasst folgendes vermerkt: Bereits am 01.08.1925 zogen Schwestern des Ordens vom Göttlichen Erlöser, Niederbronner Schwestern genannt, in St. Karl Borromäus ein. Als die Pfarrkirche am 15. Mai 1927 geweiht wurde, war es auch ein Anliegen des Pfarrherrn, des Geistlichen Rats Johannes Roth, die kleinen Kinder zu betreuen, nachdem schon zur damaligen Zeit viele Frauen berufstätig sein mussten, um ihre Familien mitzuernähren. So kam es gerade recht, dass an der Ostendstraße 173 eine Firma Konkurs anmelden musste. Am 25.03.1930 konnte das Fabrikgebäude mit Wohnhaus und einer kleinen Wiese gekauft werden. Das Wohnhaus wurde Schwesternwohnung, die Fabrik Pfarrsaal und Jugendraum, die dazugehörige Schmiede wurde Kinderschule. Sie bestand aus einem Aufenthaltsraum, einem Abstellkämmerle und drei Toiletten. Um die Schulden aus dem Ankauf (monatlich 1.000 RM) tilgen zu können, wurde im Jugendraum eine Gastwirtschaft eröffnet. Sie wurde als Schlafraum für die Kinder genutzt, da tagsüber dort kein Betrieb war. Vor dem Kindergarten befand sich ein Spielplatz mit Sandkasten. Außerdem konnten die Kinder auf der Wiese an der Pegnitz spielen.

Der Umbau der Gebäude konnte schnell erledigt werden. Am 15. September 1930 wurde die Kinderschule mit dem Segen von Pfarrer Roth eröffnet. Die erste Kinderschwester – von Kindergartenleiterin sprach man damals noch nicht - war Schwester Colomba Seelmann, unterstützt von einer Klosterkandidatin. Nach der Eröffnung mussten in kurzer Zeit in dem einen Aufenthaltsraum

65 bis 70 Kinder für einen Monatsbeitrag von jeweils 3,00 RM untergebracht werden. Da die meisten Kinder den ganzen Tag, also auch in der Mittagszeit, im Kindergarten waren, wurde von der Küchenschwester ein Mittagessen für die Kinder zubereitet, das je Por- tion 20 Reichspfennige kostete. Viel Idealismus, jugendliche Kraft und Kreativität erfüllten Schwester Colomba, sodass sie die ihr anvertrauten Kinder bestens fördern konnte.

Im Krieg gab es bei Luftangriffen immer wieder Schäden an den Gebäuden, die notdürftig in Ordnung gebracht wurden. Am 11. August 1943 wurde der Kindergarten so stark zerstört, dass eine Nutzung nicht mehr möglich war. Ein vorübergehender Aufenthalt in der seinerzeit geschlossenen Nähschule und eine Schließung für einige Wochen waren allerdings die einzigen Unterbrechungen, die einen normalen Kindergartenbetrieb unmöglich machten. Die Schwestern und die Mögeldorfer haben zusammengeholfen und aus dem Notkindergarten langsam wieder einen so gut aussehenden und funktionierenden Kindergarten gemacht, dass alle der Meinung waren: „Niemand sieht, dass der Kindergarten eine Ruine war.“

Im Jahr 1963 wurden bei einer Kindergartenbegehung 16 Mängel festgestellt, die einen Umbau oder eine Modernisierung des Kindergartens nahe legten. 1967 wurde beschlossen, ein Pfarrzentrum nördlich um die Pfarrkirche zu bauen, und zwar den Kindergarten an der Lechnerstraße, das Pfarrzentrum und ein Altenwohnheim an der Ostendstraße und ein Schwesternheim an der Lindnerstraße. Die Architekten Paul J. Eck und Rudolf Kraus planten und führten das Bauvorhaben aus. Das Gelände, das bisher für diesen Zweck genutzt wurde und das südlich der Ostendstraße liegt, musste zum Bedauern aller verkauft werden, weil der Neubau ohne weitere Geldmittel unmöglich geworden wäre.

Am 18. Juni 1969 fand der Umzug von der Ostendstraße 173 in die Lechnerstraße 3 statt. Unter Anleitung von Schwester Marie Helene, der Kindergartenleiterin, trugen die Kinder unter Polizeischutz Stühlchen und Spielsachen in einer Prozession über die Straße in den neuen Kindergarten. Im Erdgeschoss befanden sich drei Gruppenräume, jeweils mit Ausgang zum Spielhof, Garderobe, Küche, Sprechzimmer und Waschraum mit Toiletten. Im Kellergeschoss gab es einen Turnsaal mit zwei kleinen Nebenräumen, einen Schlafsaal, Toiletten und fünf Kellerräume. Der Spielhof wurde mit neuen Geräten ausgestattet, und zwar mit einer großen Schaukel für mehrere Kinder, einem Kletterhaus, einem Hangelklettergestell und einigen Einzelschaukeln. Selbstverständlich gab es einen großen Sandkasten zum Spielen. Die Kinder waren froh und glücklich, denn jetzt hatten sie mehr Spielraum. Die Chronik vermerkt: „Nach Urteilen von Fachleuten ist der Kindergarten St. Karl der derzeit schönste von Nürnberg.“

Inzwischen sind 44 Jahre vergangen. Viele Kinder haben im Kindergarten gespielt und gelernt. Sie haben dort Geborgenheit, viel Freude und leider auch manchen Schmerz erfahren. Niederbronner Schwestern haben fast 58 Jahre den Kindergarten St. Karl Borromäus geleitet. Sie können mangels Nach- wuchs in ihrer Schwesternschaft unseren Kindergarten nicht mehr betreuen. Am 07. August 1988 wurde Schwester Bertila in der Schwesternstation verabschiedet. Den Schwestern sei Dank gesagt für ihre aufopferungsvolle Arbeit in all den vergangenen Jahren. Danach übernahm als erste weltliche Kraft Frau Heidrun Kestler die Leitung.

Der Zahn der Zeit hat in den vergangen Jahren an allem genagt. Wieder sind Neuerungen fällig. Diesmal hat sich die Kirchenverwaltung zu einem Umbau entschlossen, der die Verpflichtung eines Architektenteams, nämlich Aicher und Hautmann für alles rund um das Haus und Lorenz für den Garten, notwendig machte. Viel Arbeit kam auf die Kindergartenleiterin mit ihren Helferinnen und auch auf die Verantwortlichen in der Kirchenverwaltung zu. Allen sei hiermit für ihren Einsatz, ihr Mitdenken und Mittun sehr herzlich gedankt.

Ingrid Limpert